Viele Kundenkarten in der Geldbörse | Was passiert mit Ihren persönlichen Daten?
Richtig dick sind unsere Geldbörsen mit Kundenkarten, Bonuskarten oder Treuekarten in den letzten Jahren geworden. Drei von vier Bürgern besitzen mindestens eine Kundenkarte, im Durchschnitt sind es sogar 5 Karten. Am häufigsten setzen bekannte Lebensmittelketten und Drogerien auf eine Kundenbindungskarte, aber auch Baumärkte und der Möbelhandel sind sehr gut vertreten.
An den Kassen kommen offensive Fragen zum Einsatz: „Haben Sie eine Kundenkarte?“, „Nein? Möchten Sie eine?“ Immer mehr Käufer lassen sich, unter Bekanntgabe ihrer persönlichen Daten, von den profitablen Vorteilen leicht überreden. Immerhin sind die Karten kostenlos und bieten satte Rabatte bei jedem Einkauf, Bonuspunkte, spezielle Aktionsangebote und Extra-Services.
„Willkommen im Zeitalter der Kundenkarten-Clubs“. Sollte man da nicht skeptisch werden?
Umsonst ist bekanntlich im lieben Leben nichts, auch nicht eine Kundenkarte. Genauer gesagt ist der Einzelhandel der eindeutige Gewinner dieser Kartenspiele. Rabatte hier, Boni da und zum Geburtstag gibt’s noch ein ganz besonderes Geschenk um die Kunden regelmäßiger in den Laden zu locken.
Die Strategie, dass die Kundenkartenbesitzer häufiger und mehr bei „ihrem“ Lieblingsladen einkaufen, scheint voll aufzugehen. Laut einer Befragung des Marktforschungsunternehmens Nielsen kauft ein Viertel der Befragten seit Besitz ihrer Kundenkarte häufiger beim jeweiligen Handelspartner ein. Und auch bei den zahlreichen Mengenaktionen für die Karteninhaber, wie beispielsweise „Nimm 3 Stück und zahle nur 2“, wird gerne zugegriffen. Offenbar werden mittlerweile Preisauszeichnungen weniger von den Konsumenten verglichen und die aus Werbesicht erfolgreiche Suggestion, dass man mit Kundenkarte prinzipiell günstiger dran sei, funktioniert.
Doch wie transparent wollen Sie mit einer Kundenkarte sein?
Viele Konsumenten legen auf Aussicht auf ein paar Euro Ersparnis Ihre persönlichen Daten im Geschäft offen: Name, Adresse, Geburtsdatum über Beruf, Einkommen, Familienstand bis hin zu Größe, Gewicht, persönlichen Vorlieben, Hobbies, etc. Die Geschäftsbedingungen oder sonstigen Vertragsvereinbarungen werden nur oberflächlich oder gar nicht durchgelesen und zu den bereits preisgegebenen Daten kommt schlussendlich das detaillierte Kaufverhalten jedes einzelnen Karteninhabers. Über einen längeren Zeitraum ergibt sich so ein Interessenprofil der Kaufgewohnheiten.
Wie sieht die Zukunft moderner Kundenkarten-Clubs aus?
Zusammenfassend kann aus Sicht der Kunden gesagt werden: Kundenkarten = oft wenig Bonus für viel preisgegebene Informationen. Dabei ist Kundenbindung auch in Form von Gutscheinheften oder Treuemarken möglich. Hier sind die Stammkunden anonym und kommen auch in den Genuss zahlreicher Boni und preisreduzierten Angeboten.
Wahrscheinlicher ist aber, dass in naher Zukunft noch mehr Intransparenz für den Kunden existiert. Die klassischen Kundenkarten sind bereits sehr ausgereizt, im Trend liegen Kundenkarten mit zusätzlichen Funktionen, wie Zahlungsfunktion oder Karten die gleich bei mehreren Handelsunternehmen einsetzbar sind. Das Problem darin ist, dass sich kaum noch durchschauen lässt, wer hier der eigentliche Vertragspartner ist. Einfache Vertragsvereinbarungen werden so schnell zu einem komplizierten Konstrukt mit mehreren involvierten Unternehmen, angefangen vom eigentlichen Handelsbetrieb bis hin zur Verwaltungsorganisation und dem Finanzinstitut, etc. Schlussendlich ist nicht mehr eindeutig, wer wofür verantwortlich ist und wofür ihre privaten Daten verwendet werden.





Martin said:
Ja, die Geldbörse voller Karten! Toller Artikel, ich bin mal gespannt wohin das noch führt. Irgendwie wäre es toll, wenn man die Kartenmengen reduziern könnte, so quasi eine Kundenkarte für viele Geschäftsstellen.
Gerald Ebner said:
Erste Ansatzpunkte versucht hier unter anderem die Firma Lyoness: Man will alle bisherigen Kundenkarten durch eine einzige ersetzen. Die sogenannte Cashback Card ist entstanden. Die Karte im Geschäft vorzeigen und 1 bis 2 Prozent in bar zurückbekommen. In der Praxis hapert es allerdings, denn da müssten viele große Unternehmen die Cashback-Card akzeptieren. Derzeit müssen Lyoness-Kunden Gutscheine anfordern, die dann beim jeweiligen Partnerunternehmen eingelöst werden können. Ganz schön kompliziert auf alle Fälle, wer da noch genau durchblickt????
Ewald Klose said:
Ich glaube, dass ein Kundenkartensystem für beide Seiten von Vorteil ist. Unternehmen können neue Kunden gewinnen und ältere Kunden binden. Als Endverbraucher kann ich viele Rabatte, Preisnachlässe, etc. bekommen. Die Payback-Karte hat gezeigt wie problemlos die Durchführung ist. Für Unternehmen, aber auch für Kunden. Eine universelle Kundenkarte wird in naher Zukunft bestimmt auch eingeführt.